Ist dieser kritische Vortrag, der auch selbst kritisch hinterfragt sein will, nach über 30 Jahren (gehalten im November 1965) heute noch aktuell?




Alfons Wachtelaer

Vox populi, vox Dei - Volkes Stimme, Stimme Gottes.


Die Bundestagswahlen sind beinahe vergessen. Der Niederschlag der Stimme des Volkes hat seine Wirkung für vier Jahre ausgeübt. Die Erregung ist abgeebbt. Das Volk hat seine Pflicht erfüllt, das Volk muß nun warten auf die Dinge, die da kommen sollen. Nun haben die auserwählten Politiker das Wort; sie bestimmen für vier Jahre über das Wohl und Wehe der ganzen Nation. Wir geben die Vollmacht.

Vox populi, vox Dei - Stimme des Volkes, Stimme Gottes. Der Ursprung dieses geflügelten Wortes stammt wohl aus Hesoids "Werke und Tage", und zwar in der Bedeutung: "Nie wird ganz ein Gerücht sich verlieren, das vielerlei Volk häufig im Munde geführt, denn ein Gott ist auch das Gerücht selbst." Alkuin, der Lehrer Karls des Großen, bekämpft das "Vox populi, vox Dei", indem er sagt: "Auf diejenigen muß man nicht hören, die zu sagen pflegen: Volkes Stimme, Gottes Stimme, da die Lärmsucht des Pöbels immer dem Wahnsinn sehr nahekommt". Wir müssen feststellen, daß Aussprüche auf sophistische Weise verdreht werden können, so daß der wahre Sinn vollkommen verlorengeht und eine ganz andere Bedeutung entsteht.

Wie oft hört man den Satz "Der Zweck heiligt die Mittel". Der Jesuitenpater Hermann Busenbaum schrieb 1650 in seinem "Kern der Moraltheologie": "Da der Zweck erlaubt ist, sind auch die Mittel erlaubt". An der gleichen Stelle schreibt er jedoch, daß verwerfliche Mittel ausdrücklich zu vermeiden sind und nur Zulässiges zur Erreichung des Zwecks empfohlen werden kann. Aus diesem Zusammenhang gerissen entstand die Deutung, man dürfe zur Erreichung eines guten Zwecks sich schlechter Mittel bedienen. Pascal scheint diese Idee verstärkt zu haben, indem er in seinen "Lettres provinciales" einen Jesuiten sagen läßt: "Wir verbessern die Lasterhaftigkeit des Mittels durch die Reinheit des Zwecks". So sagte auch Spinoza in seiner Ethik nicht "Der Geist sei ewig" sondern "der Geist ist ewig, insofern er die Dinge unter der Form der Ewigkeit begreife". Hüten wir uns davor, liebe Brüder, Aussprüche in einen Rahmen zu pressen, in welchen sie nicht hinheingehören.

Wie dem auch sei, heute wird das Wort "Vox populi, vox Dei" zur Grundlage der modernen Demokratie gemacht; die Wahlsysteme bauen sich darauf auf. Es wird wohl niemand bezweifeln, daß das Ergebnis einer Wahl in seiner Gesamtheit der Niederschlag der Stimme des Volkes ist.

Wir Freimaurer haben es uns doch zur Aufgabe gemacht, die Wahrheit zu suchen. Suchen ist jedoch voll und ganz ungefährlich, wenn man es mit der Absicht tut, sowieso nichts zu finden. Somit wird nicht das Finden, sondern das Suchen zur Aufgabe. Wir aber sollten uns das Finden zur Aufgabe stellen, und zwar das Finden der Wahrheit. Ich meine hiermit nicht das Finden der abstrakten Wahrheit, sondern der menschlichen, irdischen oder subjektiven Wahrheit. Ich meine hiermit wiederholt nachgeprüfte Gegebenheiten der Vergangenheit; einerlei ob sie aus dem politischen, wissenschaftlichen oder aus dem religiösen Bereich stammen. Auf dem Fundament dieser Wahrheiten könnte man eine Lehre aufbauen, die Lehre für die Zukunft. Finden wir subjektive Wahrheiten, so ist es unsere Pflicht, das Gefundene weiter zu analysieren, bis wir unsere Gedankengänge zu diesem Komplex bestätigt wissen. Werden sie jedoch nicht bestätigt, so sei dies keinesfalls das Zeichen, mit dem Denken, mit dem Suchen aufzuhören, im Gegenteil, es soll als Ansporn wirken, damit wir den gleichen Komplex von einer anderen Warte aus beleuchten.

Heute abend stellen wir uns die Frage: "Ist nun die Stimme des Volkes wirklich die Stimme Gottes?"

Es steht jedem frei, von der Stimme Gottes eigene Vorstellungen zu haben. Nicht die Stimme Gottes wollen wir heute zum Problem stellen, sondern die Stimme des Volkes. Ich habe verschiedene Personen gefragt, was sie unter "Stimme des Volkes" verstehen. Die meisten antworten "Die Stimme des Volkes ist gleich 'Öffentliche Meinung'". Der Brockhaus sagt: "Öffentliche Meinung ist eine Form der politischen Willensbildung durch Erörterung und Abklärung bewegender Fragen und öffentlicher Anliegen im Meinungsstreit. Zugrunde liegt der Glaube an die Macht der Vernunft und der Überzeugung in öffentliche Auseinandersetzungen... Je begrenzter Urteilskraft und Sachverstand zu wirken vermögen, umso mehr geht die Meinungsbildung in Einwirkung auf den gemeinsamen Willen über. Die wichtigsten Instrumente der öffentlichen Meinung sind Presse, Rundfunk und andere neuere Nachrichtenmittel der Massenbeeinflussung. Der zunehmenden Bedeutung der öffentlichen Meinung entsprechend, wird sie von Instituten für Meinungsforschung beobachtet und besonders von politischen Stellen und Wirtschaftsunternehmen zu Rate gezogen." Soweit der Brockhaus.

Diese Erklärung bedarf meines Erachtens einer genauen Überprüfung. Der Brockhaus sagt: "Die wichtigsten Instrumente der öffentlichen Meinung sind: Presse, Rundfunk und andere neuere Nachrichtenmittel der Massenbeeinflussung." Wenn diese Instrumente der öffentlichen Meinung die Masse beeinflussen, so beeinflussen sie die Stimme des Volkes, welche aus der Meinungsbildung zwangsweise entstehen muß. Somit ist nach dem Brockhaus die öffentliche Meinung NICHT der Stimme des Volkes gleichzusetzen. Die Mehrzahl der Bürger dieses Staates jedoch ist der Ansicht, daß die öffentliche Meinung ja die Stimme des Volkes ist. Und hier liegt der berühmte Hase im Pfeffer. Indem man nun offiziell Presse, Rundfunk und Fernsehen als öffentliche Meinung hinstellt, sind diese Institute de facto auch die Stimme des Volkes geworden. Das einzelne Individuum aus der Masse wird durch diese sophistische Verdrehung, langsam aber sicher, davon überzeugt, daß seine persönliche Meinung von der Presse, vom Rundfunk und vom Fernsehen zum Ausdruck gebracht wird! Die Masse bejaht letzten Endes ohne jeglichen Zweifel alles, was diese Institute ausstrahlen.

Nach dem Brockhaus entsteht ein weiteres Kuriosum: der gleiche Personenkreis, welcher mittels der Nachrichteninstitute die Stimme des Volkes beeinflußt, zieht nun dieselben zu Rate. NEIN, meine Brüder, sie ziehen die öffentliche Meinung nicht zu Rate; sie messen nur die Temperatur und zeichnen die Fieberkurve auf, nachdem sie selbst den öffentlichen Körper mit ihren Ideen identifiziert haben.

Der Brockhaus sagt weiter: "Je begrenzter Urteilskraft und Sachverstand zu wirken vermögen, umso mehr geht die Meinungsbildung in Einwirkung auf den gemeinsamen Willen über." Mit anderen Worten: wenn ein Volk geistig unmündig gemacht worden ist, kann man es dahin führen, wohin die Beeinflussenden es haben wollen. Das Resultat dieser Einwirkung nennt man nun "die Stimme des Volkes". Ich glaube jedoch annehmen zu dürfen, daß dieses nicht die Stimme Gottes sein könne, es sei denn, die Stimme Gottes wäre ihrerseits auch beeinflußbar.

Bernhard Shaw läßt seine Johanna von Orleans dem Inquisitor sagen: "Wie soll Gott sich sonst erkennbar machen, als durch die Stimme des Menschen", und diese Stimme, meine Brüder, ist beeinflußbar. War es vielleicht die Stimme Gottes, das "Ja" der Zehntausend im Berliner Sportpalast im Kriege als Antwort auf die Frage Goebbels, ob totaler Krieg oder nicht? Ich habe bewußt ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit genommen, aber dieses schließt nicht aus, daß es auch heute nicht ähnliche Vorgänge geben könnte.

Oswald Spengler sagt zu diesem Komplex von der Presse: "Wer lesen gelernt hat, verfällt ihrer Macht, und aus der erträumten Selbstbestimmung wird die späte Demokratie zu einem radikalen Bestimmtwerden der Völker durch die Gewalten, denen das gedruckte Wort gehorcht." Meine Brüder, wenn wir die Kulturbeilagen genau lesen, dann liegt es doch klar auf der Hand, daß die Lizenszeitungen uns unermüdlich beizubringen versuchen, welche Art von Plastiken, Bildern, Filmen und Kompositionen uns zu gefallen haben und welche der moderne Demokrat von vornherein abzulehnen hat. Nur einige wenige Experten bestimmen, was das Volk als schön zu empfinden hat. Wie sich derartige Methoden mit dem Grundprinzip der Demokratie vertragen? Auf diese Frage bleibt die Antwort aus.

Die Presse empfiehlt uns, Diskussionen zu pflegen - und sorgt gleichzeitig dafür, daß dabei niemals echte Alternativen zur Geltung kommen. Von sämtlichen Teilnehmern wird stillschweigend vorausgesetzt, daß sie selbstverständlich im Grundsätzlichen der gleichen Meinung sind. Die Auseinandersetzungen gelten nur nebensächlichen Fragen. Und so bleibt alles immer brav "beim alten".

Das totalitäre System der modernen Presse läßt nur eine einzige Lockerung zu: den Leserbrief. - In ihm kann der im Lehrfach "re-education" zurückgebliebene Leser seine Gesinnungsmängel enthüllen. Aber das Ventilchen "Leserbrief" darf natürlich keineswegs zum Manometer werden; deshalb dosieren und sortieren die Aufpasser diese Äußerungen so sparsam, daß die Schreiber - die oft nur ausdrücken, was fast alle denken - immer als hoffnungslose Einzelgänger dazustehen scheinen.Die so demokratische Pressefreiheit wird hier auf machiavellistische Weise mißbraucht, indem die öffentliche Meinung eingleisig beeinflußt und zu gleicher Zeit die Stimme des Volkes in einen Maulkorb eingezwängt wird.

Hiermit glaube ich, die Frage nach dem Entstehen der öffentlichen Meinung, siehe Stimme des Volkes, zwar nicht erschöpfend, aber doch für heute genügend beleuchtet zu haben. Einige Gedankengänge über die öffentliche Meinung im Gegensatz zur persönlichen Meinung möchte ich noch vorbringen. Was unterscheidet den Individualisten vom Massenmenschen?

Hierzu müssen wir Ortega y Gasset zu Wort kommen lassen: "Der Massenmensch appelliert niemals an etwas außerhalb seiner, es sei denn, die Umstände zwingen ihn mit Gewalt dazu. Da die Umstände heute nicht zwingen, verzichtet er, in Einklang mit seiner Anlage, auf jede innere Befragung und fühlt sich Herr seines Lebens." Nimmt der Massenmensch ein wissenschaftliches Buch in die Hand, dann tut er dieses nicht so sehr, um Neues zu erlernen, sondern um den Verfasser abzuurteilen, sobald dieser nicht mit den Plattheiten übereinstimmt, die er im Kopf hat. Meine Brüder, auch bei uns begegnen wir Freimaurern, die abwehrend die Hand erheben, sobald man den Versuch macht, mittels der Philosophie einige Schritte vorwärtszukommen.Diese Brüder wissen alles bereits seit langem, sie sind sogar in der Lage, einem einzigen Glase Bier mehr Weisheiten zu entziehen, als der mit sich kämpfende Mensch im Stande wäre, nachdem er seine ganze Bibliothek durchstöbert hat. Gefährlich und bedrohend ist die Feststellung, daß viele niedrig denkende Menschen dieses im vollen Bewußtsein tun und ihre Ideen auch noch durchzusetzen versuchen. Der Massenmensch wird auch diese Ideen freudig aufnehmen, weil sie ihm bequem sind und mit seinen Vorstellungen übereinstimmen, und vor allem, wenn sie durch die obenerwähnten Nachrichtenmittel verbreitet werden.

Der aktive Einzelne, der sich gegen diese Ideen zu wehren versucht, wird von der Masse ausgestoßen. Ortega y Gasset sagt dazu: "Anderssein ist unanständig". Ich möchte hinzufügen, daß die Masse nicht denken kann, sie wird gedacht. Der auserlesene oder hervorragende Mensch, nennen wir ihn ruhig Elite oder geistiger Aristokrat, gibt sich zu erkennen durch die innere Notwendigkeit, von sich fort zu einer höheren Norm aufzublicken, in deren Dienst er sich freiwillig stellt.

Haben wir Freimaurer uns nicht aus freiem Willen in den Dienst einer höheren Norm gestellt? Daher dürfen wir nicht mit dem zufrieden sein, was wir sind. Wir müssen das Äußerste von uns selbst verlangen, wenn wir wirklich das sein wollen, was wir sein sollen, nämlich Gralshüter der geistigen Freiheit.

Die allgemeine Denkart, daß die Masse in Dienstbarkeit lebt, ist vollkommen abwegig. Sie lebt höchstens in einer ungewollten Abhängigkeit. Nur derjenige, der freiwillig sein Leben im Dienste für etwas Höheres verbraucht, lebt wirklich in Dienstbarkeit, und zwar in Dienstbarkeit seiner Mitmenschen. Wir brauchen nur an die großen Denker und Wissenschaftler zu erinnern. Sie alle standen im Dienste der Menschen, und sie gaben der Menschheit das Schönste, was sie besaßen, nämlich ihr Wissen.

Es wäre ein utopisches Unterfangen oder eine Art Sysiphusarbeit, wollten wir nunmehr versuchen, die Masse im ganzen zu edlen Individualisten zu erziehen. Wir müssen uns damit abfinden, daß es immer nur eine kleine Schicht von Persönlichkeiten geben wird, welche die große Schicht, die Masse, führen wird, ja führen muß.

Ich möchte resümieren: Wir haben festgestellt, daß das Ergebnis der Massenbeeinflussung in seinem Niederschlag die Stimme des Volkes ist. Wir haben die Institutionen, welche die öffentliche Meinung formen, genannt. Wir erörterten weiter, daß diese Institute von Personen beeinflußt werden, welche ihrerseits Interessengruppen vertreten.

Meine Brüder, es gibt heute in der modernen Welt keinen anderen Weg, der zur Beeinflussung der Masse führt. Hieraus müssen wir Freimaurer die Lehre ziehen. Wir können und dürfen uns mit unserem guten und edlen Ideenreichtum nicht ewig im Kreise drehen. Wir dürfen uns nicht in einen elfenbeinernen Turm einschließen, wenn wir unsere Aufgabe, den Bau am Dome der Menschheit, erfüllen wollen. Es ist nichts anderes als unsere Pflicht, wenn wir Freimaurer den Personenkreis positiv zu beeinflussen suchen, welcher seinerseits die Instrumente der Massenbeeinflussung handhabt.

Ich spüre Eure Gedanken, meine Brüder. Sie sagen mir, daß die Ausführung dieser Idee ein utopisches Unterfangen wäre. Deshalb werde ich Euch beweisen, daß dieser Weg nicht nur möglich, sondern auch unumgänglich ist, wenn wir für die Außenwelt unsere Existenzberechtigung rechtfertigen wollen. Unumgänglich, weil wir das Resultat unserer freimaurerischen Arbeit mit den jetzigen Mitteln kaum für die Masse assimilierbar machen können. Unsere freimaurerische Arbeit ist heute praktisch nur für uns selbst fruchtbar. Die Außenwelt kann von ihrer Sicht aus mit Recht die freimaurerische Arbeit im jetzigen Stadium als eine egoistische bezeichnen. Wir erreichen dadurch genau das Gegenteil unseres erhabenen Zieles, den Bau am Dome der Menscheit.

Die Ausführung der oben erwähnten Idee ist möglich, weil die Vertreter der Interessengruppen ihrerseits Rat brauchen, denn sie ziehen laut Brockhaus sogar die öffentliche Meinung zu Rate, finden hier jedoch nur noch ein schwaches Echo ihrer eigenen Ideen. Den Rat, den sie wirklich brauchen, können sie nur von Menschen erhalten, die nicht ununterbrochen im Trubel des täglichen Lebens stehen, von Menschen, welche zuweilen von den Dinges des Materiellen abgesondert sind. Gerade dieser Standpunkt ist der der Freimaurerei. Obwohl auch wir mitten im materiellen Leben stehen, sind wir durch die Art der freimaurerischen Arbeit in die Lage versetzt, uns von der Außenwelt abzusondern. Wir bekommen somit einen gewissen Abstand von den Dingen des alltäglichen Lebens.

Wir müssen uns endlich bewußt werden, welche unendliche geistige Kraftquelle uns die Freimaurerei bietet. Außer den geistigen Maximen der Freimaurerei und den Symbolen, die uns beim Suchen nach der Wahrheit zur Verfügung stehen, vereinigen wir in unseren Reihen Menschen aus allen Berufsständen, aus allen Parteien, und aus allen religiösen Richtungen. Wir sind dadurch in der Lage, Probleme zu behandeln, die aus den verschiedensten Kreisen stammen, denn wir finden bei uns immer Brüder, die mitten in einem dieser Bereiche leben. Die Einteilung in der Bauhütte selbst erlaubt uns eine nahezu zu diesem Zweck ideale Verteilung der Aufgaben. So können z. B. die Lehrlinge die existierenden Probleme der Außenwelt feststellen und in die Bauhütte bringen. Es dürfte für den Lehrling nicht überaus schwierig sein, festzustellen, welche Probleme aktuell sind und einer vordringlichen Lösung harren. Die Gesellen könnten die Art der Fragestellung freimaurerisch ordnen und vortragen, billigen oder ablehnen. Die Meister sollen die Arbeit überwachen und die richtigen Lösungen versuchen zu finden. Der M.v.St. sollte zusammen mit seinen engsten Mitarbeitern die Arbeit bestätigen oder zur weiteren Vertiefung zurückweisen. In enger Zusammenarbeit und zielbewußter Ausdauer muß es doch möglich sein, aus diesem unerschöpflichen Potential Lösungen herauszukristallisieren, welche der Menschheit wirklich dienlich sind, und zwar in dem Augenblick, da sie es am dringlichsten braucht. Außerdem ist der Gedanke nicht abwegig, daß, wenn wir von der Außenwelt Zuspruch erwarten, wir zuerst diesen Zuspruch erarbeiten müssen.

Jeder von uns, sei er im Beruf, was er auch sein mag, muß zur Erreichung dieses Zieles mitarbeiten. Jeder von uns soll aus seiner Sicht an die gestellten Probleme herangehen. Das Ergebnis wird sich nicht allein auf die Außenwelt auswirken, es wird zeigen, daß wir selbst letzten Endes auch unsere eigenen Probleme leichter zu lösen vermögen, weil wir diese nunmehr von einer anderen Warte aus, nämlich der des Bruders, sehen können.

Nicht an der Zielsetzung erkennt man den wahren Freimauer, sondern an dem Ergebnis seiner individuellen Leistung bei der freimaurerischen Arbeit. Helfen wir den Menschen mit Ideen der Vernunft, Ideen, die aus der Liebe zum Menschsein entstehen. Somit wird ein neues Echo in der Stimme des Volkes keimen und ohne dogmatische Einengung in Vernunft und Liebe erklingen.



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