Dieser Vortrag wurde im Januar 1978 vom Tierarzt gehalten. Obwohl die neuen Tierschutzgesetze inzwischen verschiedene Änderungen bewirkt haben, läßt sich die Frage durchaus wiederholen.

S. B.

Kann Tierschutz eine Aufgabe für die Freimaurerei sein?


In jeder Sekunde werden in der Welt 11 Menschen geboren, aber es sterben nur 5 in der gleichen Zeit. Das ist sicher einer der Gründe für die gigantische Entwicklungen, die wir miterleben. Immer neue Erfindungen und Hochleistungen des menschlichen Geistes machen es möglich, daß für die immer stärker wachsende Menschheit immer noch genügend Raum und Nahrung produziert werden kann. Im Jahre 2000, so prophezeien die Futuristen, sollen 80 % der Menschen in den Städten wohnen. Ein Architekt Gabriel hat Häuser von 1250 m Höhe geplant, in denen jeweils bis zu 30 000 Menschen wohnen sollen. Sicher wird man auch im und unter Wasser bauen. Die alten Maßstäbe, die unser Denken und Handeln bisher bestimmt haben, lassen sich nicht mehr aufrechterhalten. Sie gehen verloren, so wie es auch der christliche Glaube tut, der unser Abendland in seiner über tausendjährigen Geschichte geprägt hat. Dieser Glaubensverlust macht aber für den einzelnen Menschen das Leben keinesfalls leichter; vom Sterben gar nicht zu reden. Denn es besteht ja für das Verlorene kein Ersatz. Die moderne Gesellschaft rückt zwangsläufig auch von der Natur immer mehr ab, die dem Nachdenkenden immerhin noch seelisch Aufbauendes zu vermitteln vermochte, nämlich die Hinführung zur Schöpfung und ihren Kräften. Manch einer versucht sich einen Ersatz zu verschaffen durch Anschluß an intensive menschliche Gemeinschaften, u. a. auch die Freimaurerei. Rituale werden liebevoll gepflegt, und es wird dem ein fast sakraler Charakter versucht zu geben. Aber der noch so intensive Wunsch, hier einen Ersatz für das alte Verlorene zu finden, wird immer zu Enttäuschungen führen. Es sind rein menschliche Beziehungen, die hier gefunden werden können. Und wir hörten erst kürzlich, wie verschieden nahe den verschiedenen Brüdern selbst der Tod eines Bruders geht, nämlich von so gut wie gar nicht bis zur tiefsten Erschütterung. So ist es immer und überall im Leben jedes Menschen, und enge Gemeinschaften, auch die Freimaurerei, ändern nichts daran.

Wohin diese Entwicklung einmal führen wird, wissen wir alle nicht. Vor kurzem diskutierten wir über die Verwendung von Geldern, die sich aus unseren Sammlungen ergeben haben. Wirklich schwere, unverschuldete Notfälle sind anscheinend schwer zu finden bei uns. Welch ein Erfolg unserer sozialen Gesetzgebung, über den wir alle sehr glücklich sein können. Aber wir sollen doch dort eingreifen und dort helfen, wo wir Wehrlose leiden sehen. Das war immer eine freimaurerische Aufgabe. Gestellt wurde diese Aufgabe in einer anderen Zeit, in der es die soziale Sicherung noch nicht gab, in der bittere Armut noch weit verbreitet war unter den Menschen. Aber es gibt ja noch andere Lebewesen auf der Erde, die auch heute noch völlig wehrlos sind, nämlich die Tiere. Sie sind niemals geschützt worden. Nach Auffassun der Kirche haben sie keine Seele und bedürfen deshalb keinerlei Schutzes. Sie zu quälen ist keine Sünde.Der oft als Gegenzeuge genannte Franz von Assisi steht hier völlig alleine. Aber auch die moderne Gesellschaft hat kein besseres Verhältnis zu den Tieren gefunden. Hierzu wäre soviel zu sagen, daß ich mich heute auf ein Teilgebiet beschränken muß, nämlich unser Verhältnis zu den Versuchstieren. G. B. Shaw sagte einmal "Der Wert eines Menschen hängt ab von der Zahl der Dinge, für die er sich schämt". Aber wieviele hören weg, wenn von den unendlichen Qualen der Versuchstiere gesprochen wird. Es ist unangenehm und peinlich, man möchte es gar nicht wissen. Und man beruhigt sein Gewissen mit der oft gehörten Behauptung, daß Tierversuche eben sein müßten. Aber eben dieses bedarf einmal der Untersuchung. Ich werde mich hierbei u. a. einer Arbeit der Dres. med. Stiller bedienen, die im Jahre 1976 erschienen ist.

Die Tierexperimentatoren erklären: Die Tiere müssen die Qualen, die der Mensch ihnen zufügt, erdulden. Und der Extrakt aller dafür gegebenen Begründungen? Der Mensch ist nun einmal das höchste Lebewesen. Für sein Wohl muß das Tier jede noch so schmerzhafte Quälerei, jede Form der Todesangst und des Todes erleiden, weil es nun eben das niedere Lebewesen ist. Wenn aber nun einmal, ganz theoretisch gedacht, eine Landung außerirdischer, noch höher entwickelter Lebewesen auf unserer Erde stattfinden würde, dann müßten folglich die Tierexperimentatoren und ihre Verfechter sich denen ebenso willig und selbstverständlich für deren Versuche zur Verfügung stellen. Oder nicht?

Ganz schlimm ist, daß bei uns oft ohne Konzept darauflos geforscht wird, ohne an das Leid der Tiere zu denken. Bei vielen Tierexperimentatoren besteht hier anscheinend ein seelisches Vacuum oder zumindest entsteht ein solches im Lauf ihrer Arbeit. Einige Beispiele: Man läßt Hunde verdursten, in großer Anzahl, in verschiedenen Gruppen, bei verschiedenen Temperaturen. Nur um festzustellen, wie lange es dauert. Und hat ein Forscherteam dieses durchgeführt und veröffentlicht, wird unter ähnlichen Bedingungen von diversen anderen Teams das gleiche nachvollzogen und geprüft. Aber jedes einzelne Tier ist verdurstet! Ganz entsprechend die Hungerversuche. Ein anderes Beispiel: Man senkte bei Katzen durch immer wiederholtes Begießen mit kaltem Wasser die Körpertemperatur, und man stellte fest, daß bei etwa 26 Grad der Tod eintritt. Auch dieses wurde immer wieder in etwas geänderten Versuchsanordnungen wiederholt und die Ergebnise von anderen Wissenschaftlern an anderen Instituten überprüft durch weitere Wiederholung. Jedes Tier ist erfroren, in oft tagelanger Qual! Die entsprechenden Versuchsergebnisse sind in einer Unzahl von Veröffentlichungen nachzulesen.

Man zertrümmerte bei vielen Tierarten - bei vollem Bewußtsein - die Knochen der Gliedmaßen, um festzustellen, wann ein Schocktod eintritt. Das sind die immer wieder durchgeführten sogenannten Traumatisierungsversuche. Dazu gehören auch die Schläge auf den Schädel. Ohne Narkose. Eine Katze, so sagt das Protokoll, starb erst nach 30 Tagen bei täglich 5 Schlägen. Welche Angst und welchen Schmerz haben diese Tiere durchlitten, bis sie durch den Tod erlöst wurden, und was hat es der experimentellen Medizin letztendlich an für uns verwertbaren Erkenntnissen gebracht? Atem- und Kreislaufversuche am unnarkotisierten Tier, für jedes neue Medikament (altbekannter Wirkstoffgruppen), für jedes Forscherteam erneut, für jedes Studiensemester noch einmal. Mitleid? Nein, höchstens stören die die Schreie der Tiere. Aber auch da gibt es Abhilfe. Z. B, das Durchschneiden der Stimmbänder, das Zunähen der Lippen, alles täglich bei uns geübte Methoden. Es ist unmöglich, aber auch unzumutbar, alle die vielen höllischen Arten der Quälereien aufzuzeichnen, die unsere medizinischen Experimentatoren den Tieren zufügen, oft nur des wissenschaftlichen Lorbeers willen. Die meisten Tierversuche wären für das Wohl der Menscheit nicht nötig! Im Gegenteil, sie führen und führten oft die medizinischen Erkenntnisse in die Irre.

Aus verschiedenen Gründen: Einmal, und das ist ganz wichtig, ist die Pharmakologie jeder Tierspezies und auch die des Menschen eine andere. Danach kann man, nach einem Ausspruch des Physiologen Hensel, durch Tierversuche die voraussichtliche Wirkung, Wirksamkeit und Unschädlichkeit von Arzneimitteln beim Menschen nicht wissenschaftlich feststellen. Ebensowenig wie damals, gemeint ist hier die Contergan-Katastrophe, ließe sich heute eine derartige Arzneimittelkatastrophe verhindern. Millionen von Tierversuchen haben noch niemals Arzneimittelschäden bei Menschen vorausgesagt, auch Affenversuche nicht, obgleich viele große Pharmakonzerne über Affenkolonien verfügen, und inzwischen auch die sogenannten Primatenzentren errichtet worden sind. An Affen entwickelte Impfstoffe für Menschen haben aber wiederholt zu schweren Schäden geführt, noch niemals aber an menschlichen Diploidzellen entwickelte Vaccinen. Der Pharmakologe Holtz sagt: Eine vergleichende Untersuchung von Contergan und Aspirin an Ratten hätte das Contergan zur Anwendung beim Menschen freigegeben, niemals aber das seit Jahrzehnten angewandte Aspirin. Bezüglich der Medikamente müssen wir uns darüber im klaren sein, daß, egal ob Tierversuche gemacht sind oder nicht, in jedem Falle der Mensch, das heißt der Patient, unfreiwilliges Versuchsobjekt ist. Es ist nach Eichholz nicht gelungen, die toxischen Wirkungen der neu hergestellten synthetischen Arzneimittel im Tierversuch vorherzusagen. An Hand von Tierversuchen kann niemals mit absoluter Sicherheit vorausgesagt werden, ob ein Arzneimittel dem Menschen hilft und ihm andererseits nicht schadet. Wirksamkeit und Übertragbarkeit der Tierversuchsergebnisse auf den Menschen im Sinne der Methodenlehre der klinischen Statistik kann nicht erbracht werden.

Die pharmakologischen Unterschiede sind zu groß. Einige Beispiele: Dexothan wirkt auf Ratten giftig, Griseofuvin macht bei Mäusen Lebertumore, beides jedoch nicht beim Menschen. Umgekehrt lassen sich bei Menschen beobachtete Knochenmarkschäden durch Chloramphenicol im Tierversuch nicht reproduzieren, bei keiner Tierart. Orotsäre, ein humanmedizinisches Präparat in der Lebertherapie, ist für Ratten giftig. Luminal wirkt beim Menschen als Schlafmittel, beim Hund macht es eine reversible Hinterhandparese, bei der Katze wirkt es erregend bis zu Krämpfen. Mexaform, ein beliebtes Mittel bei Darmkatarrhen beim Menschen, macht bei Hunden schwere Vergiftungserscheinungen mit Blasenblutungen. Atropin, beim Menschen nur in geringer Dosis anwendbar, wirkt bei Affen fast gar nicht. Strychnin, beim Menschen ein schweres Gift, können Affen und Meerschweinchen in erstaunlich hohen Dosen vertragen. Schierling, das den Menschen tötet, wird von Mäusen, Ziegen, Schafen und Pferden ohne Schaden gefressen. Hingegen ist Morphium bei der Katze bereits in geringen Dosen äußerst gefährlich, und Novalgin, das den Menschen schmerzfrei macht, erzeugt bei der Katze Erregungszustände, die u. U. einen Tollwutverdacht anzeigen könnten. Hunde dagegen vertragen es sehr gut.

Abgesehen aber von den pharmakologischen Unterschieden zwischen Mensch und Tier reagiert das Versuchstier ohnehin nicht normal. Denn sein Lebensraum in den Käfigen ist so eingeschränkt, daß eine normale seelische und körperliche Entwicklung gar nicht stattfinden kann. Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit führen auch beim Tier zum Zusammenbruch der psychischen Abwehrfunktionen. Meist findet man Versuchstiere, die apathisch und hoffnungslos vor sich hinstarren, was allerdings von Tiereperimentatoren nicht wahrgenommen wird. Was nicht meßbar ist und nicht in einer graphischen Kurve aufzeichenbar ist, existiert für sie nicht. Durch die künstliche Isolation der Versuchstiere entsteht aber nicht nur Angst, die tief in das seelisch körperliche Gleichgewicht eingreift, es zeigen sich vielmehr auch erhebliche Veränderungen einer ganzen Reihe von organischen Funktionen. Die Versuchstiere sind neurotische Käfigtiere, die keinesfalls zuverlässige Modelle für normale Lebewesen darstellen. Meist aber handelt es sich um noch ausgeprägter denaturierte Tiere, nämlich die sogenannten SPF Tiere. Das sind spezifiziert pathogenfreie Tiere, die meist auch noch keimfrei aufgezogen werden. Man spricht dann von gnotobiotischen Tieren. Diese werden durch Kaiserschnitt entbunden und in sterilen Käfigen aufgezogen. Diese völlig denaturierten Tiere werden außerdem in weitgehender Inzucht gezüchtet.

Diese köperlich und seelisch degenerierten Tiere können keine Modelle mehr darstellen, schon gar nicht für mögliche menschliche Erkrankungen. Eine Arzneimittelprüfung mit solchen Tieren kann keine verbindlichen Ergebnisse für den Menschen bringen, sondern muß oft zu falschen Schlußfolgerungen führen und zu gefährlichen Nebenwirkungen. Beispiele hierfür gibt es leider genug. Es sei erinnert an das Contergan mit seinen Mißbildungen, an das Menocil mit dem Lungenhochdruck, an die Anticonceptiva mit den möglichen Thrombosen oder gar cancerogenen Eigenschaften, den Psychopharmaca mit möglichen Herzschäden oder auch Mißbildungen und viele andere. Von den durch Tierversuch nicht verhersagbaren Allergien beim Menschen gegen verschiedenste Pharmaca gar nicht zu sprechen. Immer wieder werden Arzneimittel aus dem Handel gezogen, deren Unschädlichkeit durch eine Unzahl von Tierversuchen vorher bestätigt worden war. Aber was und wie geforscht wird, bestimmt weitgehend die Pharmaindustrie. Und die Tierversuche werden trotz allem in unverändert zahlreicher Form durchgeführt, weil die Pharmaindustrie und die Tierexperimentatoren immer wieder Journalisten, Politikern, Ärzten und Laien die Notwendigkeit und den guten Zweck der Tierversuche einreden. Die Öffentlichkeit glaubt, die Stimme der Wissenschaft zu vernehmen. Diesem ist leider auch der Gesetzgeber gefolgt, so daß Tierversuche zur Prüfung von Arzneimitteln gesetzlich vorgeschrieben sind. Es sind Standardverfahren vorgeschrieben, die wie alles gesetzlich Festgelegte nur schwer zu ändern sind, auch wenn sich neue Erkenntnisse gezeigt haben, die diese ändern müßten oder gar überflüssig machten.

Der verstorbene Kliniker Prof. Hans Much sagte einmal: "Tierversuche in der Medizin sind zu 50 % erbärmliche Schinderei lebender Tiere, zu weiteren 45 % sind sie Unfug". Aus heutiger Sicht, und nachdem die wissenschaftliche Statistik zögernd in die medizinischen Fakultäten Einzug zu halten beginnt, kann man den größten Teil der verbleibenden 5 % auch nur noch als Unfug bezeichnen. Schon über die mögliche Schädigung durch ein einziges Medikament lassen sich durch Tierversuche keine zuverlässigen Angaben machen. Die meisten Kranken nehmen aber mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Tierversuche sind aber vollends zum Scheitern verurteilt, wenn sie sogar noch etwas über die gegenseitige Beeinflussung mehrerer Medikamente und ihre Wechselwirkung auf den menschlichen Körper voraussagen sollen. Außerdem müssen ja diese Mehrfachwirkungen auch im Zusammenhang mit den übrigen schädlichen Umwelteinflüssen gesehen werden. Ein hoffnungsloses Unterfangen, ob es uns nun gefällt oder nicht. Schon für die Einzelwirkungen eines Medikamentes gilt: Die Tieropfer sind umsonst. Wir Menschen sind die unfreiwilligen Versuchspersonen (es hat auch schon mehr oder weniger Freiwillige gegeben). Hier liegt die Aufgabe der klinischen Pharmakologie. Aber der heute noch weitgehend tierexperimentellen Medizin ist es zu verdanken, daß heute 5 % aller Krankenhausfälle reine Medikamentenschäden sind und daß eine große Anzahl von Patienten Arzneimittelnebenwirkungen zeigen. Nach dem Internisten F. Hoff sind sogar Therapieschäden die häufigsten Krankheitsursachen. Die praxisblinde Forschung wird zur Gefahr für die Gesundheit. Nach einer Verlautbarung der EG ist in Frankreich der Arzneimittelverbrauch am höchsten. In Holland ist es umgekehrt. Nach Angaben der WHO ist die Hälfte der Arzneimittel, die Westdeutschlands Phamaindustrie herstellt, ihren medizinisch therapeutischen Funktionen nach überflüssig.

Seit 1972 sinkt in den Industrieländern die Lebenserwartung wieder, und die Zahl mißgebildeter Kinder steigt rapide an. Krebs bei Kindern war vor 30 Jahren eine medizinische Seltenheit. Heute leider nicht mehr. Der Zunahme der Gesundheitsschädigungen scheint aber paradoxerweise eine Vermehrung der Wissenschaftler parallel zu gehen. Von 1960 bis 1970 wuchs die Bevölkerung der Bundesrepublik um 9,4 %. Die Zahl der Ärzte in freier Praxis wuchs um 3 %. Aber die Zahl der Ärzte in der Forschung und der Gesundheitsverwaltung nahm um 37 % zu! Das ist die gleiche Periode, in der die höchsten Summen für die medizinische Forschung ausgegeben wurden. Ein großer Teil der Gelder wurde dabei fiür die tierexperimentelle Forschung verbraucht, ein viel zu kleiner nur für die Weiterentwicklung standardisierter Ersatzmethoden wie Zellgewebeorgankulturen (ZGO), Simulationscomputer u. a. Isolierte Zellen aber haben gegenüber dem intakten Organ und erst recht gegenüber dem ganzen Körper den großen Vorteil, übersehbare Verhältnisse zu bieten, sagt der Nobelpreisträger H. Krebs (Selecta 42/75). Diese ZGO Methode macht es möglich, menschliches, also artspezifisches Gewebe zu verwenden und damit im Gegensatz zum Tierversuch endlich für den Menschen relevante Forschung zu treiben. Alle Arzneimittel können heute mit der ZGO Methode geprüft werden. Von menschlichen Zellkulturen hergestellte Impfstoffe sind für den Menschen unschädlich und haben keine Nebenwirkungen. Ein typisches Beispiel ist der Tollwutimpfstoff. Der bisherige, aus embryonierten Enteneiern hergestellte Impfstoff war wenig wirksam, hatte schmerzhafte Nebenwirkungen, und gelegentlich verursachte er schwere Gehirnhautenzündungen. Der neue Impfstoff aus menschlichen Zellkulturen ist unschädlich und mehrfach höher wirksam. Die Impfstoffherstellung aus menschlichen Diploidzellen ist gefahrloser, und das Affenschlachten hört endlich auf. Der Londoner Pharmakologe Aygün sagt, daß trotz allem die Pharmakologen ihre Gewohnheit , die Tierversuche in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen, nicht aufgeben werden. In der Türkei ist das anders. Dort wurde das Contergan an menschlichen Zellkulturen geprüft und niemals eingeführt. Man hatte damit die Mißbildungen rechtzeitig erkannt und veröffentlicht. Aber unsere Tierexperimentatoren hatten ja bewiesen, das es keine gibt, und bei uns wurde es zugelassen. Bis es zu spät war. Es gibt heute aber auch Computer-Modellberechnungen für die Pharmakinetik, die Werte errechnen können, wie man sie im Tierversuch gar nicht erhalten kann. Auch diese Methode könnte die Tierversuche und Quälereien weitgehend ersetzen.

Zuletzt noch einige Worte zum Krebs, des Tierexperimentators liebstes Kind. Man hat bisher mit über 300000 chemischen Stoffen an Tieren experimentiert. Jahr für Jahr werden Millionen von Tieren "verbraucht" (Jedes davon hat seine Schmerzen und seine Todesangst). Über 6000 Krebsmittel wurden am Tier mit mehr oder weniger Erfolg erprobt. Beim Menschen aber haben sie alle versagt. Denn alle sind auf die jeweilige Tierart beschränkt. Die Zahl der Krebsopfer aber steigt unaufhörlich. Der experimentelle Krebs des Versuchstieres hat mit dem menschlichen Krebs nichts zu tun. Viele Krebsformen der Tiere sind virusbedingt. Beim Menschen aber werden etwa 80 % der Krebsarten von Chemikalien ausgelöst, die durch die Umwelt, durch die Nahrung und durch Genußmittel aufgenommen werden. Die Virusgenese einiger Krebsformen beim Menschen ist noch nicht sicher erwiesen, man ist sich aber sicher, daß z. B. die Katzenleukose durch ein Virus verursacht wird. Die Unsummen, die die heutige Krebsforschung verschlingt, geht trotzdem noch zum großen Teil in die Versuchstierforschung. Die Forschung mit gezüchteten Zellen und embryonalen Geweben liegt leider weit dahinter. Und gerade diese würde für den Menschen geltende Ergebnisse bringen können. Aber die Versuchstierkunde scheint das Alibi für eine ganzheitliche, auf den Menschen bezogene medizinische Forschung zu sein.

Es gibt zu viele Wissenschaftler, welche Forschung betreiben, die für den Menschen wertlos ist. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine Unzahl tierexperimenteller Literaturangebote aus und durch eine ständige Wiederholung von Tierversuchen, also Tierquälereien. Dabei ist es ihnen gleich, ob diese Versuche notwendig sind oder andernorts bereits gemacht wurden. Kein Spezialist kann mehr die Flut derartiger Veröffentlichungen übersehen. Selecta schreibt (32/75): Die unübersehbar gewordenen wissenschaftlichen Publikationen dieser Art verbergen hinter ihrem Anspruch auf Objektivität oft nur noch Doppelarbeit, Leerlauf oder schieren Nonsens. Und wenn man nun noch weiß, daß unter Hinweis auf wissenschaftliche Prüfung auch viele kosmetische Firmen dazu übergegangen sind, ihre Erzeugnisse an Versuchstieren zu prüfen, dann sollte sich der nachdenkende Mensch heute fragen, mit welchem Recht er diese vielen unsäglichen Quälereien an den Tieren durchführen läßt? Und einfach nicht hören und es nicht wissen wollen, ändert nichts an der Mitverantwortung. Wir alle wissen, daß es geschieht, und wenn wir es so hinnehmen, dann sind wir mitschuldig. Ganz abwegig ist der oft gehörte Hinweis, das alles sei gar nichts im Vergleich zu den Leiden, die sich die Menschen untereinander in der ganzen Welt laufend zufügen. Das ist zwar richtig, aber meistens sind es die Gleichen, die versuchen, den leidenden Menschen und den leidenden Kreaturen zu helfen. Und es sind auch dieselben, die unter Hinweis auf das eine auch das andere nicht tun.

Zu Beginn dieser Zeichnung habe ich versucht, die Gründe herauszufinden, warum wir so gleichgültig dieser Form der menschlichen Grausamkeit gegenüberstehen, die in den allermeisten Fällen gar nicht oder zumindest in derartiger Form nicht notwendig wäre. Vielleicht gibt es noch eine Reihe anderer Gründe dafür, die in einer Diskussion herauszufinden wären. Einer kirchlichen Institution ein Engagement im Tierschutz zuzumuten, würde aus diversen Gründen mit Entrüstung abgelehnt werden. Wie steht es hiermit in der Freimaurerei?



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