K. M.

Schmuck

Goldschmiede und Freimaurer haben eins gemeinsam, sie sind eitel und renommieren gern mit großen Brüdern. Sind es hier Lessing, Mozart, Goethe oder Friedrich der Große, werfen die Goldschmiede Dürer, Gutenberg, Dinglinger oder Benvenuto Cellini in die Waagschale. Cellini, geb. 1500 in Florenz, ein Zeitgenosse Michelangelos, bekannt als Münzmodelleur und Bildhauer, arbeitete für Päpste und Könige. Das goldene Salzfaß für Franz I. von Frankreich sowie das Standbild des Perseus für den Florentiner Hof der Medici sind seine bekanntesten Arbeiten. Noch bekannter wurde er jedoch durch Bruder Goethe. Er fand auf seiner Italienreise die Lebensbeichte Cellinis, übersetzte sie ins Deutsche und gab sie selbst heraus. Wahrscheinlich war Goethe so begeistert von dem lebhaft dargestellten Zeitbild der Renaissance. Bruder Lessing dagegen fand als Bibliothekar des Herzogs in Wolfenbüttel das älteste Handwerkerfachbuch für Goldschmiede, den "Theophilus Presbyter". Ein handgeschriebenes Buch aus dem Jahr 1125, verfaßt von einem Benediktinermönch, der sich Theophilus nannte. Erst vor einigen Jahren wurde es verständlich ins Deutsche übertragen, denn die Begriffe haben sich in 900 Jahren sehr verändert. So stand z. B. im Theophilus: "Blei schmilzt man in einer Muschelschale". Das geht nicht, denn eine Muschelschale zerfällt in Hitze zu Asche. Des Rätsels Lösung: Muschelschale war der Begriff für eine flache Schale. Andere Anweisungen mußten ausprobiert werden, um die Arbeitsweisen von vor 1000 Jahren nachvollziehen zu können. Etliches, was Kunsthistoriker als Stilelemente bezeichnen, ist aus technischer Notwendigkeit geboren.

Kurz in die Anfangsgeschichte des Schmuckes zurück. Der erste Schmuck wurde von Männern getragen: Narbenschmuck als Zeichen der Stammeszugehörigkeit. Bemalung und Tätowierung sowie Trophäenschmuck, um den Gegner vom eigenen Mut und der Furchtlosigkeit zu überzeugen; Imponiergehabe, wie überall in der Natur. Später diente der Schmuck als Kleiderverschluß oder um den Stand in der Gesellschaft zu versinnbindlichen.

Das Gold erscheint erst im 5ten Jahrtausend vor Chr. mit dem Auftauchen der Sumerer in der Geschichte. Die Sumerer, ein Volk unbekannter Herkunft, lebten im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Von ihnen wurde die Stadt Ur etwas südlich des späteren Babylon gegründet. Neben der Erfindung der Keilschrift und der Töpferscheibe verarbeiteten sie auch als erste Gold; jedoch nicht zu Geld, denn Gold war göttlich. Tempelgeräte, und erst später Schmuck für den König, wurden von ihnen daraus gearbeitet. Das Land selbst hatte keine Goldvorkommen. Die Sumerer mußten das Gold aus Afghanistan, Vorderindien oder Ägypten einführen. Was sie als Gegenleistung dafür bezahlt haben, weiß man bis heute nicht. Sie selbst hatten eine Kupfer- und Silberwährung. Um 3000 v. Chr. war der Wert von Silber zu Gold ca 1:8, d. h., 1 Gramm Gold für 8 Gramm Silber. Das war billig: heute ist das Verhältnis 1:74. Erst in den 30er Jahren unseres Jahrhunderts wurden die Königsgräber von Ur entdeckt. Das wertvollste gefundene Stück war ein Helm aus dem Jahre 2650 v. Chr. Es ist eine reine Hammerarbeit ohne Lötfugen. Er hat die Form einer Perücke mit gravierten Haaren und getriebenen und ziselierten Locken: Ein imposantes Stück für das Haupt eines Herrschers. Adel und Diener durften nur Kupfer oder Silber tragen. Die Kleiderordnung, Schmuck als Standeszeichen zu tragen, gab es noch bis in die Zeit der Aufklärung. So war am Hofe Maria Theresias Diamantschmuck nur ihr selbst und dem Hochadel vorbehalten. Als Hofschmied Strasser mit Frau und hübschen Töchtern zu einem Ball geladen war, fertigte er Schmuck aus verspiegeltem Glas und erfand so den Strasschmuck.

Reichtum erweckt Neid und schafft Feinde, heute wie damals; das Reich der Sumerer ging 2350 v. Chr. unter. Sargon von Akkad hieß der Sieger; er gilt als das Vorbild der Herkulessage. Er überzog den nördlichen Mittelmeerraum bis nach Spanien mit Krieg. Das reichste Goldland Ägyptgen entging so seiner Eroberungswut. Die Ägypter hatten Nubien erobert und der schwarzen Bevölkerung mit der Peitsche beigebracht, wie man Gold aus der Erde holt. Für die Zeit um 2900 v. Chr. läßt sich der Gold-Bergbau nachweisen. Um 300 v. Chr. beschrieb ein Ägypter auf einem Papyrus die Feuervergoldung so: "1 Teil Gold mit 2 Teilen Blei legiert, zu Pulver zerstossen, mit Gummiwasser angesetzt; Gegenstand tauchen und glühen. Die Hitze verzehrt das Blei, aber nicht das Gold. Dies wird mehrmals wiederholt, und der Kupferring hat einen Goldmantel." Viel später ersetzte man Blei durch Quecksilber. Mit dem Goldamalgam wurden früher Kirchengeräte feuervergoldet. Heute verbieten Arbeitsschutzbestimmungen dieses. Vor 20 Jahren haben einige Firmen z. B. in Dänemark noch feuervergoldet.

Nub war im Altägyptischen das Wort für Gold. Nubien soll 1,8 Millionen Kilogramm geliefert haben. Nach heutigem Wert stolze 36 Milliarden DM Entwicklungshilfe für Ägypten. Weiteres Gold holten sich die Ägypter aus dem Goldland Punt im Südosten Afrikas; zwischen Sambesi und Sabi soll es gelegen haben. Im Ägypten der 2. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. wurden Goldringe serienmäßig hergestellt. Sie wogen 7,5 bzw. 15 Gramm pro Stück. Das war die erste Goldwährung, das Geld der Reichen. Fliegen oder Löwen aus purem Gold heftete der Pharao seinen tapferen Kriegern an die Brust: Schmuck als Auszeichnung. Fliegen aus purem Gold waren die ersten Orden. Darüber könnte man nachdenken. Die Goldschmiede waren arme Teufel. Im Reich der Etrusker und heute noch an den Höfen der afrikanischen Könige werden ihnen die Beine gebrochen, verdreht und somit verkrüppelt, damit sie mit ihrem teuren Material nicht davonlaufen können. Bei den Arbeitsbedingungen von damals wäre ein Davonlaufen verständlich.

Anfang der 80er Jahre habe ich mir in Hildesheim eine Ägyptenausstellung angesehen. Nachdem mich eine Basaltisis am Eingang mit ihrem versteinerten Mona-Lisa-Läacheln in den Bann gezogen hatte, fand ich in einer Vitrine ein "Milchtöpfchen" aus purem Gold, fein und schier wie aus einer Presse bei WMF gekommen. Die Zuschauer beachteten es kaum; es war ein alltäglicher Gegenstand, bei WMF in Edelstahl jeden Tag zu sehen, aber dann mit Henkel, und dies hatte keinen. Der Katalog schrieb: "Gold, Durchmesser 8 cm, mit Tülle 10,5 cm, Höhe knapp 6 cm. Altes Reich, 4. Dynastie um 2550 v. Chr. - - - Das heißt, dies moderne putzblanke Stück ist 4500 Jahre alt. Das ist mehr als 2x Christus hin oder zurück. Ich war vor der Vitrine festgewachsen und las weiter: "Ausstattung des Grabes der königlichen Gattin des Snofru und Mutter des Cheops. Februar 1925 dicht neben der Cheopspyramide in einem dürftigen Grabschacht gefunden." Und weiter: " Inschrift: 'Wasche Dein Gesicht in Glück und Gesundheit, indem Du Freude genießt'. Es entspricht in der Form dem Wassergefäß, das zur Handwaschung und als Weihgefäß verwendet wurde. Scheingefäß, das die Funktion seines großen Vorbildes im Jenseits voll erfüllen sollte." - - - Dieses moderne, traumhaft schöne Ding, diese absolute Meisterleistung eines Goldschmieds aus dem Jahre 2550 v. Chr, war nur geschaffen worden, um verbuddelt zu werden. Meine Gedanken liefen wie ein Film in die Vergangenheit zurück. Wie sah die Werkstatt aus? Eine Metallwalze hatte er gewiß nicht. Also hat er das geschmolzene Rohgold, die Plansche, auf einem Amboß oder einer glatten Platte aus Metall (war es Eisen?) zum Blech geschlagen. Mit einem polierten Hammer auf einer polierten Fläche und stabfrei muß es gewesen sein, denn jedes Staubkorn, jeder Fussel schlägt sich ins weiche Gold und läßt sich nicht mehr entfernen. Staubfrei muß die Werkstatt sein. Wie schafft man das ohne Fensterglas, wenn der Wind den Sand aus der Wüste holt und der Goldschmied ein sauberes Blech schaffen will? Ein Blech, das an jeder Stelle die gleiche Stärke haben muß, also Schlag neben Schlag auf sauberer Unterlage das Blech führen und dies über eine lange Zeit. Er muß glühen und wieder säubern. Hat er das Blech, schlägt er einen kleinen Kreisbogen und um diesen einen weit größeren. Der kleine Kreis wird der Boden und der größere Kreis wird die Oberkante des Gefäßes. Nun werden Falten vom großen Kreis bis zum kleinen Kreis strahlenförmig zur Mitte geschlagen, die dann wieder im rechten Winkel, parallel zu den Kreisen gestaucht werden. Dann wiederholt sich das Spiel: falten, stauchen, glühen, falten, stauchen, bis das Gefäß die gewünschte Steigung hat, dann die Tülle schlagen etc... Da hat ein absoluter Meister in Ruhe, Ausdauer und Disziplin eine Arbeit vollbracht, die nach 4 1/2 Jahrtausenden noch genau so modern ist wie am ersten Tag. Dann wurde diese Arbeit verbuddelt und heute kaum beachtet.

Heute sehen viele Menschen Schmuck aus vielen Epochen in Museen und Ausstellungen. Doch wenn ein Handwerker heute z. B. eine Granulation arbeitet, kann er das Stück kaum verkaufen, da niemand die Leistung dieser Arbeit einschätzen kann. Die Technik, winzige, gleichgroße Goldkugeln ohne Lot sauber auf einer Unterlage zu befestigen, ist eine Erfindung der alten Etrusker gewesen und war dann Jahrtausende verschollen, bis deutsche Goldschmiede in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts sich wieder daran versuchten. Das waren Michael Wilm-München, Elisabeth Treskow-Köln und Ludwig Riffelmacher-Berlin. Diese Arbeiten sind inzwischen in den Schatullen von Sammlern verschwunden.

Der Markt ist heute mit sehr viel pseudoaltem Schmuck überschwemmt. Schlecht verarbeitet, so aussehend als wäre er alt, ist er für den Kunden, der ein Schnäppchen sucht, eine Falle. Eine Kundin erzählte mir langatmig vom Kauf und von der Begutachtung eines Farbstein-Brilliantringes, eines sogenannt antiken Ringes, doch ehe sie mit ihrer Geschichte enden konnte, unterbrach ich sie "und der Aquamarin war ein Glasstein". "Woher wissen Sie?" Nun, das war früher oft der Fall; man sparte an dem, was nicht auffiel. Diamanten konnte man nicht nachmachen. Da gab es einfach noch keinen guten Ersatz. Apropo nachmachen: Seit ca. 100 Jahren gibt es synthetische Steine. Diamanten kann man seit den 50er Jahren synthetisch fertigen. Das Verfahren ist jedoch noch zu teuer. Dagegen ist bei der Herstellung von künstlichen Smaragden, Rubinen und Saphiren die Technik sehr weit fortgeschritten. Hat man früher die Steine im Schmelzvorgang hergestellt, geschieht es heute im Ionenaustausch, d. h., sie wachsen ganz einfach kristallinisch, haben die gleichen Einschlüsse wie die Echten und gerade Wachstumslinien wie die echten Steine. Ihre geschmolzenen Brüder hatten gebogene Linien, und die konnte man mit der Lupe sehen und aussortieren. Die Lupe ist also unbrauchbar geworden. Der Fachmann muß sich selbst weiterbilden und muß sich sehr teure optische Instrumente anschaffen oder was billiger ist, er läßt die zweifelhaften Steine von einem Edelsteinlabor untersuchen. Bei einem Fortbildungskurs für Sachverständige hielt ein Gemmologe einen Vortrag über seine Arbeit. Um einige Dinge verständlicher zu machen, zeigte er uns auf zwei getrennten Diaprojektoren Aufnahmen von echten und synthetischen Steinen, hergestellt mit Hilfe eines Elektronenmikroskops. Es war kaum möglich, Unterschiede zwischen den einzelnen Aufnahmen auszumachen. So war es nicht verwunderlich, daß aus dem Hörerkreis die Frage kam "und woher wissen Sie, daß die rechte Aufnahme einen synthetischen Smaragd zeigt, die linke aber einen echten?" Er hatte die Dias markiert. Wie Kriminalisten suchen sie nach Rückständen von der künstlichen Herstellung, wie etwa Platinabrieb von den Halterungen der Apparate.

Wenn das Diamantensyndikat auch behauptet, daß es noch keine schleifwürdigen synthetischen Diamanten gibt, so gibt es doch durch radioaktiven Beschuß gefärbte Diamanten. Es ist heute sogar schon möglich, wenn man die genaue Zusammensetzung der einzelnen Kristalle kennt, hierbei die Farbe vorher zu bestimmen. Auf der Welt gibt es drei Atommeiler, die dafür eingerichtet wurden. Steine, die von Natur aus keine schöne weiße Farbe haben, werden geschliffen und dann in den Meiler gegeben. Nach dem Beschuß müssen sie einige Zeit liegen, bis sie ihre Radioaktivität auf ein zulässiges Maß abgegeben haben, um dann erwärmt zu werden. Durch dieses Sintern wird verhindert, daß die Farbe wieder verblaßt. Vor einigen Jahren bot mir ein Diamanthändler schwarze Diamanten an. Sie sahen aus wie geschliffene Steinkohle. Spielwürfel aus schwarzem Diamant hatte er auch dabei. Die Augen waren kleine Brillianten. Oft ist es ganz gut, wenig Geld in der Tasche zu haben. Ein - zwei Jahre später war jemand auf die Idee gekommen, diese Steine unter den Geigerzähler zu legen. Es wäre ein tödliches Würfelspiel geworden. Die schwarzen Steine waren hoch radioaktiv verseucht. Krebs hätte die Folge sein könne. Der wertvollste Diamant ist ein Stein von roter Farbe. Auf dem Markt ist er kaum zu finden.

Auf dem Perlenzuchtgebiet hat in den letzten 10 Jahren eine Revolution stattgefunden: Die kernlose Süßwasserperle wurde entwickelt. Echte Süßwasserperlen hat es sogar in deutschen Flüssen schon früher gegeben. Sie hatten jedoch kaum eine Bedeutung, denn sie waren zu klein und im Lüster nicht lebhaft genug. China mit seiner großen Ausdehnung hat vor längerem reiskornartige Perlen auf den Markt gebracht und sich den Spott der Branche zugezogen. Die Preise für die Ware verfielen zusehens. Doch seit zwei-drei Jahren sind sie mit kernlosen Süßwasserzuchtperlen auf dem Markt, die sich schwer von Orientperlen unterscheiden lassen. Orientperlen nennt man die Perlen, die ohne menschliches Zutun in einer Muschel wachsen. Seit der Japaner Mikimoto vor 100 Jahren die Zuchtperle erfand, benötigte man immer eine gedrechselte Perlmutterkugel als Grundlage für eine Zuchtperle. Das sind die sogenannnten Akojaperlen. Die großen gezüchteten Südseeperlen werden in gleicher Weise hergestellt. Die Erfindung der kernlosen Zuchtperle und ihre Weiterentwicklung in China ist eine echte Herausforderung, denn hierbei hilft auch das Röntgengerät nicht mehr, um eine Zuchtperle von einer Orientperle zu unterscheiden. Bis jetzt haben sie schon Größen von 8 mm und fast rund hergestellt. 8 mm ist bei Perlen eine bedeutende Preisgrenze. Für eine absolut runde Akojaperle in einer Größe von 18 mm liegt der Preis bei 20 bis 25.000 DM das Stück (15 mm ca. 12.000 DM).

In unserer internationalen und multikulturellen Gesellschaft sind für den kaufwilligen Kunden soviele Fallen aufgestellt, daß er den Rat des Fachmannes braucht. Waren früher für einen Stempelbetrug 5 Jahre Zuchthaus angesetzt, sind es seit 1974 nur noch 10.000 Dm Höchststrafe für diese Ordnungswidrigkeit. - - - "Was ist das wert?" ist eine der häufigsten Fragen, die man im Geschäft hört. Alles wird nach Geldwert gemessen, auch das Geschenk des Liebsten. "Bei welchen Trauringen bekomme ich den höchsten Betrag wieder zurück, wenn ich sie wieder verkaufe", war einmal die Frage eines Ehekandidaten.

Kriege können in den Menschen auch etwas Positives auslösen, nämlich Gefühle. Anfang des 19. Jahrhunderts, als Napoleon Europa ausgeplündert hatte, trugen die Menschen Schmuck aus Eisen oder aus ganz dünnem ausgekittetem Gold. - - - Gefühl: Der Gedanke, den man mit dem Schmuckstück vermitteln wollte stand im Vordergrund. Liebes- und Freundschafts- sowie Gedächtnis- und Trauringe waren der Schmuck der Romantik. Es war auch die Zeit, in der die Freimaurerei viel Zuspruch fand. Vor Zeiten hatte ich einen Silberring zur Reparatur. Der Stein war ein nicht besonders schöner Bandachat, aber die spiegelverkehrte Gravur war innig. Ein Dackel führte einen blinden Putto an der Leine des Weges. Um dieses Paar schlang sich eine Gravur in französischer Sprache. Sie bedeutete etwa in Deutsch: "Die Liebe folgt blind". Es war also Amor, der seinem kurzbeinigen Führer folgte. Ob der Steingraveur wohl einen Hintergedanken gehabt hat? Denn man sagt ja auch "Lügen haben kurze Beine".

Apropo Lügen: In den Ursprungsländern der Farbsteine werden gerne Synthesen in die echten Partien gemischt. So wundert es nicht, daß ein seriöser Steinhändler immer seine gewohnten Partner besucht. Zuverlässigkeit, über Jahrzehnte getestet, ist die beste Grundlage, besser als ein vermeintlich gutes Angebot. Unseriöse Händler haben viele Tricks auf Lager, meist reden sie auch sehr viel. Bietet er Rubine auf knallgelbem Steinpapier, das die Augen irritiert, sollte man lachen und ihn einfach stehen lassen. Niemals sollte man "heiß" auf eine Ware oder ein Geschäft sein. Man beginnt dann Fehler zu machen. Lapislazuli kann z. B. gefärbt sein und verliert seine Farbe bei Sonnenlicht; er wird grau. Kocht man so ein Stück in Spiritus auf, der sich dann blau färbt, kommt man dem Betrug auf die Spur. In einem Seminar habe ich Aufnahmen von, wie wir es nennen, gefüllten Brillianten gesen, d. h., Risse, die ein Stein hat, werden unter Vakuum mit Kristallglas gefüllt. Einschlüsse werden mit hauchdünnen Bohrern angebohrt, die mineralogischen Einschlüsse werden entweder chemisch oder durch Verdampfen entfernt und entstandene Kaverne und der Bohrkanal mit Kristallglas geschlossen. Dieses ist schwer sichtbar und eine gemeine Falle. Diamant dehnt sich nicht aus und zieht sich also auch nicht zusammen. Aber Glas kann sich bei heißem Auswaschen ausdehnen und den Stein zerstören. Rubine, Saphire und Smaragde können genauso mit gefärbtem Glas behandelt werden. Auf dem deutschen Markt sind solche Steine bis jetzt noch nicht aufgefallen. Um Freude am Schmuck zu haben, braucht man schon den ehrlichen Fachmann als Partner.

In unserer Zeit, da alles nur nach Geldwert gemessen wird, sollte man daran denken, daß Schmuck zur Kleidung und somit zum Ausdruck der Persönlichkeit gehört. Als Geldanlage ist er nur sehr bedingt tauglich, es sei denn, ich muß fürchten, ins Exil gehen zu müssen. Lose Steine und Goldbarren sind Handelsware und zollpflichtig. Zu Gegenständen wie Schmuck verarbeitet, gehören sie zur Person und sind zollfrei. Je höherwertiger eine Ware ist, um so kleiner wird der Kreis der Interessenten. Auch dies ist zu bedenken.

Auch in unseren Bereich hat die neue Technik Einzug gehalten. Reparaturen, die früher sehr risikoreich waren, können heute mit Laser gefertigt werden. Computerfertigung von Trauringen sowie Computergravur ist heute Alltag und hat mit der handwerklichen Kunst des ägyptischen Kollegen vor 4.500 Jahren nichts mehr gemein. Ist das ein Verlust von Kultur? Gewiß aber ist es ein Verlust an Gefühl für das Material!


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