Ho. Ho. - Loge "Konrad Ekhof"

Freiheit, die ich meine


Die Auseinandersetzung zwischen Freiheit und staatlicher Autorität läßt sich in der Geschichte der Menschheit verfolgen, wird in Schulen, Elternhäusern und in politisch selbstbewußten Gruppen angesprochen und diskutiert, aber auch durch gesellschaftspolitische Verhältnisse hautnah erfahren, entschieden.

Unter Freiheit waren persönliche Rechte und später verfassungsmäßige Übereinkommen zu verstehen, Herrschaft einzudämmen, das System machtvoller Gruppen und ihrer Wirkungsbereiche im Gleichgewicht zu halten und sozialen Frieden zu ermöglichen.

Eine dominierende Mehrheit, als Einschränkung der Freiheit empfunden, wird nur bedingt akzeptiert und skeptisch betrachtet, weil die Tendenz, Mehrheiten rücksichtslos auszunutzen, Selbstverantwortung und Individualität zu untergraben, Wachsamkeit geradezu herausfordert.

Jeder fühlt die Grenze und kennt den Zeitpunkt, an dem er die Übergriffe auf seine Person, auf seine Lebenshaltung, Überzeugung und Gesinnung abwehren sollte.

Aber "die Freiheit des Denkens und Fühlens und die unbedingte Unabhängigkeit der Meinung" im Blick auf "alle praktischen, philosophischen, wissenschaftlichen, moralischen und theologischen Fragen" (Mill) ist nur zu verwirklichen und legal zu verteidigen im Rahmen verbriefter Rechte.

Und diese Rechte, von einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft praktiziert, garantieren die Gestaltung des Lebens nach eigenen Vorstellungen, Bedürfnissen, Neigungen, Fähigkeiten und Wünschen und wollen versucht sein.

Die Überzeugung, daß es auf mich ankommt, setzt Energien frei und ist der Anfang dafür, Möglichkeiten meines Freiwerdens zu erkunden und die Freiheit "als Tun, als eine vorwärts drängende Aktivität" (Jaspers) einzusetzen.

Ziel ist, sich um das eigene Glück auf seine Weise zu kümmern und bei aller Achtung zwischenmenschlicher Beziehungen, Regeln und Normen so zu leben, wie es in diesem Kontext dem persönlichen Selbstverständnis entspricht.

Aus der Geborgenheit seines kindlichen Daseins aufzubrechen, sich in der Welt zu bewähren und zu entdecken heißt ja, an seinem Reifen und Werden interessiert zu sein und der Frage nach dem Sinn seines Lebens nachzugehen.

Dazu gehört, seine Richtung zu kennen, sich seinem eigenen ungeschminkten Urteil zu unterwerfen und die humane Form zu finden, die sich nicht nur aus eigenem freien Antrieb entfalten, verantworten und korrigieren kann, sondern auch zu öffnen und einzulassen weiß.

Zurückgezogen, nur in seiner Nische reflektierend, bleibt der Mensch sich fremd, verhüllt sich sein umgreifendes Wesen solange, bis er im Miteinander sein Selbst wagt und zur Disposition stellt.

In der Auseinandersetzung um "sachliche Zweckhaftigkeit, ideenbestimmte Geistigkeit", sagt Karl Jaspers, findet man die "tiefere Kommunikation" erst dort, "wo sich selbst suchende Menschen einander begegnen" und die Möglichkeit ergreifen, , "um das Selbstsein des anderen so gut wie um das eigene" liebevoll zu ringen.

Selbstwerden durch ein Miteinander läßt eine neue Lebensqualität entstehen, die durch gegenseitige Achtung und Rücksichtnahme geprägt ist und Freiheit in einer anderen Weise verwirklichen hilft: Gegensätzliches zu akzeptieren und durchzustehen, aber auch hinauszuwachsen über das eigene Begehren, über die "ichhafte einseitige und eigenmächtige Selbstigkeit" (C. G. Jung).

Teilzuhaben am Werden des größeren Ganzen ist ein weiterer Schritt; denn persönliche, gesellschaftliche und politische Freiheit sind untrennbar miteinander verbunden und können nur bestehen, wenn sie ihre Spannung aushalten, sich gegenseitig nicht behindern und füreinander eintreten.

In diesem Sinne wird Freiheit als Aufforderung verstanden, sich selbst zu riskieren und seine Verbundenheit mit dem Guten allen Menschenlebens, auch im Politischen zu erschließen, so weit es geht.

Sich unnachgiebig zu fragen, wie wir dem "Konformitätsdruck der modernen Zivilisation" (Spaemann) entgehen, das ganze "technische Machen und Planen" (Jaspers) zu überdenken haben, über "die Unversehrtheit der Welt und des menschlichen Wesens" (Jonas) uns einigen und uns der Ungerechtigkeit und dem Elend stellen können, verweist darauf, ob wir eine Wende, eine Umkehr, ein Sein-Lassen herbeiführen wollen.

Umkehr im Sinne des Täufers, dessen Andenken wir am Johannisfest feiern, braucht ein Engagement für die Menschheit, "Leidenschaft für die Wahrheit" (Grosser) und den Willen, nicht davon abzulassen, ethische Werte in einem freien Tun realitätsbezogen umzusetzen.

Alle seelischen und geistigen Fähigkeiten, die man am Menschen ausmachen kann, kommen in der Wirklichkeit des Lebens nur zur Geltung, wenn sie sein Tun und Lassen, sein Wollen und Fühlen durchdringen und sein Selbst in den sozialen Verhältnissen frei bekunden.

Auf sein persönliches und gesellschaftliches Umfeld angesprochen und gefordert, auf die Sinnzusammenhänge dieser Welt ausgerichtet, vollzieht der weltoffene Mensch sein Dasein: "Nicht ohne Kampf, nicht ohne Leid" (Jaspers), nicht ohne Wissen um die Vergänglichkeit der Dinge.

Und diese schmerzvolle Erfahrung als eine aufschließende Kraft macht die Beziehung des Menschen zum Großen Baumeister aller Welten durchsichtig und fühlbar.

Frei für sich selbst zu entscheiden, weiß er sich geschenkt, erfährt er das Unvollkommene seines Tuns, das Gefährdende seines Handelns, sein Versagen, seine Grenze -, aber auch, wie er die Dinge gut machen, sich einbringen kann als ein Teil der Schöpfung, liebend, dankbar und bewahrend.

"So bleibt er in Bewegung zu sich selbst", zu anderen hin und über sich hinaus und ist "zu denken als ein Mittelglied des Seins, in dem das Fernste sich trifft, Welt und Transzendenz sich in ihm verschlingen" (Jaspers) und zum Freiwerden, zum Freisein fähig machen.



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